(Nicht-)Wahlaufforderung als billiger Abklatsch
Das virale Videos mittlerweile die breite Masse der Werber erreicht haben, ist mittlerweile deutlich ersichtlich geworden. Dadurch wird es natürlich aufgrund der Konkurrenzsituation immer schwieriger einen Erfolg zu landen. Ein probates Mittel ist in viralen Videos schon immer Empörung beim Zuseher zu erzeugen.
Genau an diesem Punkt setzt auch ein aktuell auf Youtube stark kursierendes Video an. Mehr oder weniger bekannte Menschen aus Schauspiel, Musik und Fernsehen fordern den Zuseher ausdrücklich und mit Stammtischargumenten zum Nichtwählen auf. So beispielsweise Schauspieler Claude-Oliver Rudolph: “Politiker sind Versager. Die ganze politische Klasse ist korrupt! Alles Kappes!”
Als Idee steckt natürlich die Anregung zur Diskussion über die Beteiligung an der Wahl im Zentrum des Spots. Als klares Vorbild hierzu dient der amerikanische “Don’t vote!”-Spot, der im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen erfolgreich kursierte.
Doch besonders im direkten Vergleich muss man sich fragen, warum der deutsche Spot so schlecht geworden ist. Erstens zeigt der amerikanische Spot eine klare Entwicklung von einer ablehnenden Einstellung gegenüber dem Wählen über eine Entkräftung der Stammtischargumente bis zu einer klaren Aufforderung wählen zu gehen. Diese Entwicklung lässt der deutsche Spot (noch?) komplett vermissen.
Weiterhin erkenne ich im Gegensatz zur amerikanischen Version in der deutschen Umsetzung nur bei einem Bruchteil der Leute einen Funken Ironie, was besonders auch in den Youtube-Kommentaren zu skurrilen Echtheitsdiskussionen führt. Manchen “Promis” würde ich auch 1:1 abnehmen, was sie da von sich geben.
Da bleibt abschließend eigentlich nur noch die Frage, warum sich Tagesschausprecher Jan Hofer für ein solches Projekt in dieser Besetzung hergibt.

